Loveco: Slow Fashion ist en vogue

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Loveco: Slow Fashion ist en vogue

Bild: © Loveco

Loveco: Slow Fashion ist en vogue

Veröffentlicht am 22.04.2021 von Nina Brauneis


Fast Fashion ist eine der größten Industrien der Welt. Um mit dem übermäßigen Konsum und den schnelllebigen Trends mithalten zu können, ignoriert sie Menschenrechte und zerstört die Umwelt. Doch Loveco zeigt, dass es auch anders gehen kann! Mode kann durchaus stylisch, umweltfreundlich und sozialverträglich sein. Im Interview mit Lina erfahrt ihr spannende Details zu Loveco und was sich hinter fairer & veganer Slow Fashion verbirgt.

Welches gesellschaftliche oder ökologische Problem habt Ihr zu Beginn erkannt, für das Loveco nun die Lösung ist?

Unsere Gründerin Christina hat “Materielle Kultur: Textil” studiert und schon da viel über die Modeindustrie und ihre horrenden Auswirkungen auf die Umwelt und die Leben der Arbeiter:innen gelernt. Dieses Wissen hat sie durch Tätigkeiten bei der Detox Kampagne von Greenpeace, im Modevertrieb und in einem Fair Fashion Laden als Store Leitung vertieft. Hier hat sie auch viele Marken und ihre Gründer:innen kennengelernt. Sie merkte, dass es bereits Hersteller gibt, die bessere Lösungen finden und auch, dass die Nachfrage bei den Kund:innen vorhanden ist. Deshalb entschloss sie sich 2014 schließlich, Loveco zu gründen.

 

Es entsteht Mode, die ihrer Umgebung Respekt zollt. In diesem Zuge werden auch neuartige Materialien und Verfahren entwickelt, um einen noch geringeren Impact auf den Planeten zu schaffen.

Lina

Fast vs. Slow Fashion

In der Fast Fashion Industrie geht es um immer mehr Kollektionen pro Jahr, schnelle Trends und übermäßigen Konsum. Um das zu erreichen, werden Menschenrechte verletzt, ganze Landstriche durch Abwässer und Pestizide zerstört und großes Tierleid verursacht. Kund:innen sollen billige Kleidung kaufen, einmal tragen und dann wegwerfen: Ohne darüber nachzudenken, dass hinter diesem Kleidungsstück Menschen und Ressourcen stecken, die völlig in den Hintergrund rücken. Diese Tendenz ist in den letzten Jahren immer schlimmer geworden, sodass ungesicherte Fabrikgebäude einstürzen und Menschen unter sich begraben oder neuwertige Kleidung noch in ihrer Verpackung verbrannt wird, weil sie überproduziert wurde und die nächste Kollektion schon in den Startlöchern steckt.

Wir haben dazu auch gerade einen spannenden Magazinartikel veröffentlicht, in dem wir alle Fakten zu Fast Fashion sowie Alternativen zusammengefasst haben.

Slow Fashion oder Fair Fashion versucht, dieser Entwicklung den Wind aus den Segeln zu nehmen: Hier gibt es nur zwei Kollektionen im Jahr, es gibt Styles, die jedes Jahr immer wieder herausgebracht werden und vor allem stehen Mensch, Umwelt und Tier im Vordergrund. Es entsteht Mode, die ihrer Umgebung Respekt zollt. In diesem Zuge werden auch neuartige Materialien und Verfahren entwickelt, um einen noch geringeren Impact auf den Planeten zu schaffen - oder es werden Stoffe recycelt, upcycelt oder komplett kompostiert.

Was genau macht Ihr bei Loveco anders als andere in der Fashion Industrie?

Wir wollen zeigen, dass eine andere Modewelt möglich ist! Mode kann sozialverträglich, umweltfreundlich und stylisch zugleich sein. Wir vertreiben Fair Trade Kleidung, Öko Mode und vor allen Dingen: Vegane Mode. Diese drei Säulen zusammen machen für uns wirklich nachhaltige Kleidung aus.

Wir arbeiten mit ungefähr 60 Marken zusammen, mit denen wir in regem Austausch stehen. Viele davon tragen ökologische und/oder soziale Siegel für ihre Fabriken oder Materialien, sind Mitglieder in Kontrollorganisationen und/oder besitzen eigene Produktionsstätten, die sie regelmäßig selbst besuchen. Wir wissen, dass wir sie zu allen Schritten in ihrer Herstellung oder der Rohstoffbeschaffung mit Fragen löchern können und Antworten erhalten. (Und das tun wir auch!) Sie entwickeln sich stets weiter und reagieren auf unsere Vorschläge und die Wünsche unserer Kund:innen. Dieses Miteinander, Vertrauen und der Austausch sind es, die eine nachhaltige Textilbranche möglich machen.

Mode kann sozialverträglich, umweltfreundlich und stylisch zugleich sein.

Lina

Welche Erfolge könnt Ihr bisher verzeichnen und was plant Ihr mit Loveco für die Zukunft?

Wir sind sehr stolz, dass wir seit unserer Gründung 2014 stetig wachsen konnten, was unseren Umsatz, unsere Ladenflächen und unsere Mitarbeiter:innen angeht. Jetzt im Moment setzen wir erstmal all unsere Kräfte daran, die Coronakrise zu überstehen. Ladenschließungen, Click & Meet, Test & Meet… Das hat uns alles ganz schön zugesetzt, da wir keine staatliche Unterstützung erhalten haben und einen neuen, großen Kredit aufnehmen mussten. Deshalb konzentrieren wir uns gerade darauf und schmieden erstmal keine riesigen Zukunftspläne. Eine kleine Änderung gibt es allerdings, die wir derzeit vorbereiten: Wir ziehen mit unserem Lager und unseren Büro um. Die Renovierungsarbeiten in den neuen Räumen sind gerade angelaufen und wir freuen uns sehr. Unser bisheriges Lager in unserem Laden in Schöneberg platzt aus allen Nähten…

Was ist der nachhaltigste Tipp, der dein Leben verändert hat?

Bei jedem Einkauf innezuhalten und zu fragen: Brauche ich das wirklich? Davon abgesehen wahrscheinlich, dass man aus Hausmitteln Kosmetik und so vieles mehr selbst machen kann. Oder die große Erfindung der Menstruationstasse, die soviel Müll einspart und noch dazu super praktisch und komfortabel ist. Und was Kleidung angeht: Die Lieblingsjeans über Nacht ins Eisfach zu legen anstatt sie zu waschen, um die Farbe zu schonen und Bakterien abzutöten.

Lina, wenn du eine Sache auf der Welt verändern könntest, welche wäre das

Im Moment schwanke ich zwischen zwei Dingen: Entweder der Aufhebung jeglicher Steueroasen, damit Amazon & Co. auch Abgaben zahlen wie jedes andere Unternehmen. Oder dem Inkrafttreten eines strengen, globalen und verbindlichen Lieferkettengesetzes, das Unternehmen dazu verpflichtet, an allen Stellen ihrer Wertschöpfungskette Menschenrechte zu wahren.

 

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