Unsere Mehrwertsteuer für konstruktiven Journalismus

RSS
Unsere Mehrwertsteuer für konstruktiven Journalismus

Bild: © unsplash

Senkung der Mehrwertsteuer

Veröffentlicht am 29.06.2020 von Simon Böhnlein


Warum unsere Preise gleich bleiben und wir dafür an konstruktiven Journalismus spenden.

Ab dem 1. Juli wird die Mehrwertsteuer1 (von 19% auf 16% bzw. 7% auf 5%) in Deutschland bis Ende des Jahres gesenkt. Diese Konjunkturmaßnahme soll den Konsum ankurbeln, Konsument*innen entlasten und damit die Wirtschaft wieder in Fahrt bringen.

 

Als die Bundesregierung Mitte Juni das Konjunkturpaket2 verkündete, kam die Senkung der Mehrwertsteuer ziemlich überraschend. So auch für uns. Wir wussten erst einmal nicht, was das nun für GoodBuy bedeutet. Ist das gut, weil mehr bei uns eingekauft wird, oder schlecht, weil wir sehr viel Arbeitsaufwand durch die Umstellung haben? Wie können wir die Senkung der Mehrwertsteuer an unsere Käufer*innen und die Gesellschaft zurückgeben? Denn hier steckt ein Kritikpunkt3 der Maßnahme: Wenn die Händler die Reduktion der Mehrwertsteuer nicht an die Konsument*innen weitergeben, dann dient die Senkung lediglich den Gewinnmargen der Unternehmen und wäre letztendlich nur ein Geschenk an die Wirtschaft.

 

Dieses Geschenk können sicherlich einige Unternehmen, wie z.B. Restaurants, gut gebrauchen, denn diese haben unter Corona deutlich gelitten. Auch wir können jeden Cent, den wir mehr zur Verfügung haben, gut gebrauchen. Aber als verantwortungsbewusstes Unternehmen wollen wir, dass diese Maßnahme nicht uns, sondern der Gesellschaft zugute kommt. Am einfachsten ginge das über eine Preissenkung – nur haben wir aber genau hier ein Problem.

Warum wir entschieden haben unsere Preise gleich zu lassen

Wir haben zunächst eine Preissenkung diskutiert und verschiedene Gründe festgemacht, warum wir diesen Schritt nicht gehen möchten.

Arbeitsaufwand

Eine Senkung der Preise, würde für uns einen immensen Arbeitsaufwand bedeuten. Wir haben ca. 600 Produkte und damit fast ebenso viele verschiedene Preise bei GoodBuy. Für eine Senkung müssten wir nicht nur jeden Preis per Hand anpassen, wir müssten diesen auch erst einmal kalkulieren. Der Zeitaufwand für unser zweiköpfiges Shop-Team wäre zu hoch und andere wichtige Aufgaben würden stark darunter leiden. Im Normalbetrieb müssen wir unsere Preise zum Glück äußerst selten verändern, da wir ein beständiges Inventar mit den gleichen zeitlosen Produkten anbieten.

Krumme Preise

Eine Senkung unserer Preise um 2-3% würde in vielen Fällen krumme Preise bedeuten, z.B. 1,96 € statt 2,00 €. Das widerspricht unserer Philosophie, denn wir bieten nur runde Preise an. Unsere Produkte sollen nicht günstiger wirken als sie sind, denn alles was wir konsumieren hat seinen Preis. Jeder Kauf bei uns sollte eine bewusste Entscheidung für ein Produkt sein und keine Schnäppchenjagd. Außerdem ersparen wir euch und uns schwere und dicke Geldbörsen mit Cent-Münzen.

Zeitliche Begrenzung & Kosten-Nutzen

Würde die Mehrwertsteuer langfristig gesenkt werden, würden wir natürlich eine Lösung bei unseren Preisen suchen. Da die Maßnahme aber zeitlich begrenzt ist, hieße das für uns, dass wir am Ende des Jahres erneut alle Preise ändern müssten. Das würde uns insgesamt vermutlich ein ganzes Monatsgehalt verschlingen, das dann an anderer Stelle fehlt. Gleichzeitig ist die Entlastung unserer Käufer*innen mit ein paar hundert Euro pro Monat (auf alle verteilt) gering. Unterm Strich gibt das keinen großen gesellschaftlichen Mehrwert.

Lösung: Mehrertrag spenden

Nach Abwägung unserer Möglichkeiten stand fest: Eine Anpassung der Preise wäre aus genannten Gründen nicht sinnvoll. Welche Option bleibt uns dann? Schließlich wollen wir, dass die Konjunkturmaßnahme in der Gesellschaft und nicht auf unserem Konto ankommt. Unsere Lösung: Unsere Preise bleiben gleich und den Mehrertrag geben wir an etwas weiter, das der Gesellschaft zugute kommt. Wir haben über eine Verdoppelung unseres Aufforstungsprojektes und andere Maßnahmen diskutiert – und uns für die Förderung von konstruktivem Journalismus entschieden.

Unsere Wahl: Konstruktiver Journalismus

Die Corona-Krise hat wieder einmal verdeutlicht, wie wichtig lösungsorientierter Journalismus ist. Die Jagd nach Klicks und destruktive Beiträge sind nicht erst seit dem neuem Rezo-Video4 problematisch. Ein Hauptproblem: Wie können sich Zeitungen, Magazine usw. zukünftig finanzieren? Gute und saubere Recherchen kosten Zeit und Geld. Die Zahlungsbereitschaft von Konsument*innen sinkt und Einnahmen durch Werbeanzeigen können die Unabhängigkeit gefährden.

In unserer Good Impact Family (zu der auch GoodBuy gehört) arbeiten wir unter anderem an lösungsorientiertem Journalismus, der für alle zugänglich sein soll und generell keine Bezahlschranken hat. Das enorm Magazin recherchiert und produziert zum Beispiel Artikel, die sich konstruktiv nachhaltigen Zukunftsthemen widmen. Und Good News gibt guten und konstruktiven Nachrichten eine Plattform (via App und Newsletter), damit auch diese gefunden werden und die verdiente Aufmerksamkeit bekommen. Diese und andere Projekte wollen wir in den nächsten 6 Monaten mit den Mehreinnahmen, die durch die Senkung der Mehrwertsteuer entstehen, finanziell unterstützen. Deshalb spenden wir den Mehrertrag an die NOAH Foundation. Sie ist eine Treuhandstiftung zur Förderung von lösungsorientiertem Journalismus und innovativen Medienprojekten, die einen unmittelbaren Beitrag zur Erreichung der Sustainable Development Goals leistet. Unter anderem hat sie in der Vergangenheit die Entwicklung der Good News App und das enorm Magazin finanziell unterstützt.

Quellen

1 2 https://www.tagesschau.de/inland/konjunkturpaket-115.html

3 https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Senkung-der-Mehrwertsteuer-Was-bringts,mehrwertsteuer134.html

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag

  • Simon Böhnlein