Plastikmüll, Recycling und Bio-Plastik

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Plastikmüll, Recycling und Bio-Plastik

Veröffentlicht am 07.07.2022 von Isabell


Das Problem ist längst bekannt; Unmengen an Plastik verschmutzen immer stärker unsere Umwelt. Mittlerweile findet sich nicht nur Plastik in der Antarktis und am Boden der Tiefsee, sondern auch schon in Tieren und selbst in uns Menschen in Form kleinster Partikel.

Es steht also außer Frage, dass wir dringend handeln müssen! Recycling und Bio-Plastik sind die Lösung! Oder doch nicht?

Das falsche Recycling-Versprechen

Wusstest du, dass nur ein Bruchteil aller recycelten Plastikverpackungen tatsächlich wieder dem Wertstoffkreislauf zugeführt werden? Auch wenn du deinen Müll zu Hause fein säuberlich trennst – in der Realität wird leider doch der meiste Müll verbrannt, da eine Aufbereitung oft zu kostenaufwendig sei. Was können wir also darüber hinaus selbst tun?

Oft möchten wir unser schlechtes Gewissen beruhigen, indem wir im Supermarkt zu den Produkten aus sogenanntem “Bio-Plastik” greifen. Die Verlockung ist ja auch groß; viele Hersteller werben nun mit Logos auf ihren Produkten. Diese seien kompostierbar, aus nachhaltigen Rohstoffen oder zu 100 % abbaubar. Doch was hat es damit auf sich? Wir sind der Frage nachgegangen.

Was ist eigentlich "Bio-Plastik"?

Als Bio-Plastik werden umgangssprachlich alle biologisch abbaubaren Biokunststoffe bezeichnet, die nicht auf der Basis von Erdöl, sondern aus anderen nachwachsenden, pflanzenbasierten Rohstoffen hergestellt werden wie PLAs (auf Zuckerbasis) oder PHAs (durch Mikroorganismen hergestellt). Manche von ihnen sind dazu biologisch abbaubar. Das bedeutet, dass sie kompostiert werden können. Daher werden gerade diese Materialien immer beliebter für viele Einweg-Produkte, mit denen wir tagtäglich zu tun haben.

Bioplastik

Unterschied heim-kompostierbar zu nur industriell kompostierbar

In der Theorie klingt es also ganz leicht. Wir nutzen die gleichen Produkte wie zuvor und ersetzen das alte Plastik einfach durch Bio-Plastik und entsorgen dies in Zukunft auf dem Kompost. Das Plastikmüllproblem scheint gelöst. Doch so einfach ist es leider nicht, wie die Werbeversprechen anmuten. Denn viele dieser Biokunststoffe können auf natürlichem Wege nicht zersetzt werden. Sie müssen stattdessen sehr hoch erhitzt werden, um sie kompostieren zu können. Dies kostet sehr viel Energie und ist unrentabel. Außerdem besitzen viele Gemeinden gar nicht die Technologie, um Biokunststoffe auf diese Weise zu recyceln. So landet auch Bio-Plastik auf Deponien, wo es aufgrund des Sauerstoffmangels Methan freisetzt. Dies ist ein Gas, das 25-mal klimaschädlicher ist als CO2. Wenn Bio-Plastik ins Meer gelangt, zerfällt es übrigens ebenso in mikroskopisch kleine Teile und gefährdet die Umwelt. Auch bei deinem Biomüllbeutel müssen wird dich enttäuschen, denn auch dieser braucht viel zu lange zum Kompostieren und wird von den städtischen Kompostieranlagen wieder aussortiert.

Also doch lieber Plastik recyclen?

Manchmal wird Bio-Plastik auf diesen Deponien auch mit herkömmlich recyceltem Plastik vermengt, was zur Folge hat, dass dieses Gemisch auch nicht mehr recycelt werden kann. Ist also herkömmlich recyceltes Plastik doch besser? Nein. Denn auch wenn uns ein geschlossener Kreislauf durch den “grünen Punkt” vermittelt wird, ist es nicht möglich, erdölbasiertes Plastik mehr als einmal zu recycln, da die Qualität sonst leiden würde. In der Realität wird das allermeiste Plastik nicht recycelt, sondern “downcyelt”. Es werden also aus Plastikflaschen nicht immer wieder neue Plastikflaschen hergestellt, sondern Baustoffe oder Brennmaterial z. B. für Zementwerke.

Was können wir denn dann tun?

Wir sehen, egal welche Art von Plastik wir verwenden, es gibt trotz viel Forschung noch kein Allheilmittel gegen die Plastikflut. Was also wirklich hilft, ist allein die Plastikvermeidung! Wir als Konsumenten haben da fast alle Zügel in der Hand. Denn wenn wir keine Plastikprodukte mehr kaufen, haben die großen Plastikhersteller Absatzprobleme und müssen endlich umdenken. Leider ist es heute immer noch so, dass die riesigen Konzerne trotz aller gegenteiligen Behauptungen die Hauptverursacher des Plastikmülls sind. Denn der Rohstoff Plastik aus Erdöl ist am billigsten und verspricht riesige Margen. Ohne unser persönliches Zutun (und ohne politische Rahmenbedingungen) wird also kein Wandel stattfinden. Daher liegt es an uns immer wo es möglich ist, die Alternative aus Pappe, (Gras-)Papier oder Holz zu wählen. Darüber hinaus kannst du Mehrweg-Alternativen ausprobieren. Ein guter Ansatz sind hier Mehrwegsysteme für den Coffee-to-go oder den Mittagslunch. Auch Meal-Prepping ist ein guter Ansatz für den Tag im Büro. Wenn du einkaufen gehst, nimm einen Beutel mit und kaufe Obst und Gemüse lieber lose. Und um auf deinen Biomüllbeutel zurückzukommen, verwende lieber eine Papiertüte und lege diese mit Altpapier aus, um ein Durchweichen zu verhindern.

Also: Mach auch du mit beim Plastik-Sparen, wir helfen dir dabei!

Durch kleine Helfer wie Bienenwachstücher, Brotdosen, Glas-Trinkhalme oder feste Seife kannst du Unmengen an Plastik sparen. Wo du im Haushalt Plastik reduzieren kannst liest du in unserem Magazinartikel Plastikfrei Putzen

Mehr zum Thema findest du auch im Dokumentarfilm im Ersten: Die Recyclinglüge


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  • Isabell Steiner