Globale Auswirkungen von Konsum: Social Businesses unterstützen Geflüchtete

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Globale Auswirkungen von Konsum: Social Businesses unterstützen Geflüchtete

Bild: © Über den Tellerrand e.V., Mimycri, Bridge & Tunnel

Social Businesses unterstützen Geflüchtete

Veröffentlicht am 18.08.2020 von Lea Thin


Unsere Konsumentscheidungen haben nicht nur Auswirkungen auf das globale Klima und die Umwelt, sondern auch auf die Menschen, die darin leben. Daher sind wir mit unseren Einkäufen immer auch mitverantwortlich dafür, wie es den Menschen geht, deren Ressourcen vor Ort für unsere Produkte abgebaut werden und die diese verarbeiten. Eine Folge unnachhaltigen Konsums kann sein, dass ganze Landstriche unbewohnbar werden, vielleicht sogar über Verteilungskonflikte zu bewaffneten Kriegen führen.

Unsere Entscheidung im Supermarkt, eine bestimmte Ware zu kaufen, beeinflusst unweigerlich auch Flucht- und Migrationsentscheidungen in den Herkunfts- und Produktionsländern. Unseren GoodBrands ist es daher wichtig, dass die von ihnen hergestellten Produkte im Einklang mit Natur und Umwelt stehen. Sie sollen einen möglichst geringen Fußabdruck in der Welt hinterlassen, keinen Raubbau an natürlichen Ressourcen betreiben und diejenigen, die an der Wertschöpfung beteiligt sind, fair entlohnen.

Doch mehr noch: die Unternehmen, die über unseren GoodBuy Shop verkaufen, wollen der Welt über den Verkauf ihrer Produkte etwas zurückgeben. Einigen liegt dabei das Wohl derer am Herzen, die bereits zur Flucht gezwungen wurden. Die folgenden Unternehmen teilen nicht nur ihren Erlös mit Initiativen zur Verbesserung der Lebensbedingungen und Rechte von geflüchteten Menschen, sondern leisten auch mit ihren Produkten selbst einen Beitrag zur Förderung von Respekt und Toleranz in der deutschen Gesellschaft.

Kinder malen Menschen: So bunt ist Deutschland

Dass Menschen ganz unterschiedlich aussehen, lernen Kinder mit dem Malbuch “So bunt ist Deutschland” und den dazugehörigen Wachsmalern oder Buntstiften von GoVolunteer bereits von klein auf. Mit den extra-dicken Hautfarben-Stiften können Kinder endlich sich selbst, ihre Freunde oder ihre Familie so malen, wie sie wirklich aussehen. Gleichzeitig lernen sie mit viel Spaß, wie farbenfroh die Welt ist.

Alle Gewinne aus dem Verkauf des Malbuchs fließen komplett in die gemeinnützigen Integrationsprojekte von GoVolunteer, einer Helfer-Community, die ehrenamtlich Begegnungen und Austausch zwischen Migrant*innen und Locals ermöglicht. Willst du mitmachen? Mit über 3.000 sozialen Projekten und 100.000 Nutzer*innen findet auf der GoVolunteer-Webseite jede*r eine passende Initiative, um sich einzubringen.

Mimycri-Taschen aus kaputten Schlauchbooten

Schlauchboote sind ein Symbol für den beschwerlichen und lebensbedrohlichen Weg geworden, den Geflüchtete für ihr Überleben in Kauf nehmen. Doch für die meisten Menschen endet die Flucht nicht an der Küste. Die Firma Mimycri säubert die griechischen Strände und nutzt die am Ufer zurückgelassenen, kaputten Boote für ihre Upcycling Produkte: vom Notizbuch, über eine Clutch bis hin zu Mäppchen oder Laptop-Hülle. Jedes Produkt ist ein handgefertigtes Unikat aus alten Schlauchbooten und 100 Prozent Recycling-Papier.

So haben die Boote nicht nur das Leben vieler Menschen auf der Flucht gerettet, sondern geben Geflüchteten auch jetzt noch neue Perspektiven. Gemeinsam mit Alteingesessenen arbeiten die Neuankömmlinge mit Fluchterfahrung in Berlin an den hochwertigen Produkten und lassen ihre eigene Geschichte in den Taschen weiterleben.

Alttextilien und Integration bei
Bridge & Tunnel

Die Textilbranche hat mehr als nur ein Imageproblem. Der Trend zu Fast Fashion, die unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in armen Ländern hergestellt wird, belastet Umwelt wie Menschen gleichermaßen. Das Unternehmen Bridge & Tunnel nutzt deshalb Alttextilien und ermöglicht mit dem so erwirtschafteten Gewinn gesellschaftlich benachteiligten Menschen eine neue Zukunftsperspektive.

Dabei geht es nicht nur um ausrangierte Kleidungsstücke aus Industrieländern, sondern vor allem auch um die Berge an Textilüberschüssen, die als Nebenprodukt der exzessiven Kleidungsmaschinerie produziert werden. Sie landen häufig als Second Hand Ware in den Entwicklungsländer selbst und zerstören dort die lokale Textilwirtschaft, Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung und tragen so zu Migrations- und Fluchtentscheidungen bei.

Doch auch für bereits Geflüchtete und Migrant*innen in Deutschland ist es meist schwierig, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Sprachbarrieren, fehlende Ausbildungszertifikate oder Kinderbetreuung machen ein Arbeiten in der freien Wirtschaft kaum möglich. Die Gründerinnen von Bridge & Tunnel haben daher Näh-Talente aus insgesamt fünf Ländern die Chance auf den Einstieg auf dem Arbeitsmarkt gegeben. Das Team fertigt in Hamburg die Beachbags, Handyketten und Clutches des Unternehmens her und erhält zudem Unterstützung bei Behördengängen, Rechtsfragen sowie bei der Wohnungssuche.

Müsli gegen Ausgrenzung

Bereits am Frühstückstisch kannst du die Welt mit nachhaltigen Konsumentscheidungen etwas besser machen. Mit den köstlichen Müslisorten von HEYHO startest du nämlich nicht nur nahrhaft und gesund in den Tag, die soziale Müsli-Rösterei aus Lüneburg unterstützt zudem Menschen am Rande der Gesellschaft dabei, (wieder) Arbeit zu finden. Denn auch wenn Deutschland im Vergleich zu ärmeren Ländern ein funktionierendes Sozialsystem hat, Menschen wie etwa Wohnungslose, ehemals Inhaftierte, Kranke und Geflüchtete fallen auch hierzulande leicht durchs Raster. In der HEYHO Rösterei finden auch diese Menschen einen Platz, die sonst keine Chance auf eine Anstellung haben. So hat bereits jede*r dritte Mitarbeiter*in der Rösterei eine besondere Biographie.

Rezepte für ein besseres Wir

Das zweisprachige Kochbuch “Rezepte für ein besseres Wir” des Über den Tellerrand e.V. beinhaltet 36 Rezepte von kochbegeisterten Geflüchteten aus 14 Ländern. So bunt wie die Herkunft der Köch*innen ist auch die Sammlung an Zutaten. Dabei bringen die geflüchteten Autor*innen nicht nur ihre Lieblingsrezepte aus der Heimat mit, sondern auch ihre spannenden Geschichten über ihre Kultur.

Wer schon immer authentische Gerichte aus anderen Ländern nachkochen wollte, unterstützt mit dem Kauf des Buches zudem den gemeinnützigen Verein dabei, dass Menschen mit Fluchterfahrung die Integration in die Gesellschaft und ihre soziale Teilhabe trotz Vorurteilen, kultureller Unterschiede und sprachlicher Barrieren gelingt. Bei kulinarischen, gestalterischen und sportlichen Events begegnen sich Menschen mit und ohne Fluchterfahrung auf Augenhöhe und lernen ihre unterschiedlichen Kulturen unbefangen kennen und schätzen. Seit der Gründung im Jahr 2014 sind dank des Vereins bereits interkulturelle Netzwerke und Freundschaften in mehr als 30 Städten entstanden.

Ein Auszug aus dem Fusionskochbuch "Eine Prise Heimat"

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