Ein Generationenwald gegen den Klimawandel

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Ein Generationenwald gegen den Klimawandel

Bild: © The Generation Forest

Ein Generationenwald gegen den Klimawandel

Veröffentlicht am 25.02.2021 von Linda Schleier


Sommerliche 20 Grad im Februar – in diesem Winter bekommen wir den Klimawandel besonders deutlich zu spüren. Einfach tatenlos zusehen ist für unsere Freunde von The Generation Forest aber keine Option! Sie setzen auf Wälder als natürliche CO2-Speicher und Bewahrer der Biodiversität im Kampf gegen die Erderwärmung. Wie die Aufforstung tropischer Regenwälder gleichzeitig ein lukratives Geschäftsmodell sein kann, erklärt euch Oliver Jacobs im Interview.

Wie funktioniert das Konzept Generationenwald?

Wir als Genossenschaft wollen ein Teil der Lösung gegen den Klimawandel sein. Dazu kaufen wir Land in Panama und pflanzen neue Regenwälder – genauer gesagt Generationenwälder. Das bedeutet wir forsten Wälder auf, und entnehmen ihnen von Zeit zu Zeit selektiv einzelne Bäume und verkaufen das Holz. Dadurch erwirtschaften wir eine Rendite für unsere Mitglieder und finanzieren den dauerhaften Schutz des Waldes. Wir pflanzen jede entstandene Lücke sofort wieder nach. So bleibt der Wald als gesundes Ökosystem erhalten und kann seine vielfältigen ökologischen Aufgaben dauerhaft erfüllen.

Unsere Gründer Andreas Eke und Iliana Armien schaffen mit ihrem Forstbetrieb Futuro Forestal in Panama bereits seit über 25 Jahren Generationenwälder – von ihnen stammt auch die Idee. Um der dramatisch wachsenden Entwaldung Einhalt zu gebieten, schufen sie ein innovatives und zukunftsorientiertes Umweltschutzkonzept. Es ging im Kern darum, mit Wäldern zu wirtschaften, gleichzeitig nachhaltigen Umweltschutz zu betreiben und so den langfristigen Erhalt der Wälder zu ermöglichen. Die Genossenschaft entstand aus dem Wunsch, diese Idee für alle Menschen auf der Welt öffnen zu können, und nicht nur für Großinvestoren. Die Idee mit einer globalen Community riesige Wälder neu schaffen zu können, war die Inspiration für die Genossenschaft

Wirtschaft und Umweltschutz werden zudem oft genug als Kontrahenten gesehen – dabei können sie eigentlich ganz geniale Partner sein.

Oliver Jacobs

Welche sozialen und ökologischen Probleme habt ihr gesehen?

Eines der größten Probleme war und ist die massive Abholzung der Regenwälder und der damit einhergehende gravierender Einfluss auf Entstehung und Entwicklung des Klimawandels. Zerstört werden dadurch aber nicht nur Wälder als wichtige CO2-Speicher, sondern auch die Biodiversität. Es kommt zur Austrocknung der Böden, Wassermangel, Abbau der Vegetation und Zerstörung von Lebensraum für unzählige Tierarten. Ein großes soziales Problem ergibt sich natürlich durch den Klimawandel überall auf der Welt, aber ganz direkt vor Ort in Panama ist die ländliche Armut und die daraus resultierende Landflucht ein großes Problem. Daher ist unser Ziel, so viele Arbeitsplätze unter fairen Bedingungen wie möglich zu schaffen.

Um das zu erreichen müssen wir uns auch hier in Deutschland einigen Herausforderungen stellen. Impact Investment ist hierzulande noch nicht weit genug verbreitet, es fehlt das nötige Wissen über die starke Wirkungskraft solcher Projekte. Wirtschaft und Umweltschutz werden oft genug als Kontrahenten gesehen – dabei können sie eigentlich ganz geniale Partner sein.

Welchen Ansatz verfolgt ihr um diese anzugehen und zu lösen?

Unser Ziel ist in erster Linie, so viel Wald wie möglich und nötig zu schaffen, um ein Teil der Lösung gegen den Klimawandel zu sein. Wir wollen dabei beweisen, das wirtschaftliche Aspekte und Umweltschutz sich nicht ausschließen, sondern sich im Gegensatz sogar auf geniale Weise ergänzen können. Durch diesen Ansatz schaffen wir auf der einen Seite einen wirtschaftlichen Anreiz für die Menschen, nämlich eine Rendite zu erzielen, und auf der anderen Seite geben wir dem Wald durch den Holzverkauf wieder einen Wert. Nur so können wir den Wald dauerhaft vor Abholzung schützen. Wir müssen es schaffen, dass die Menschen die Wälder nicht mehr abholzen sondern erhalten, weil sie so auf nachhaltige Weise einen langfristigen Ertrag erzielen können. Wir wollen erreichen, dass die Landbesitzer eine Alternative zu Soja, Palmöl und Viehwirtschaft haben.

Uns macht besonders, dass wir innerhalb der Klimakrise einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Es geht uns nicht um die reine CO2-Kompensation. Wir bauen wieder auf, was zerstört wurde, das ist hinsichtlich der gigantischen Fläche an bereits zerstörten Wäldern unerlässlich. Damit erzielen wir aber weitaus mehr Wirkung als nur eine große CO2-Senke zu schaffen. Wir bauen die Natur Stück für Stück wieder auf, und helfen ihr so wieder stark und gesund zu werden. Denn nur eine gesunde Umwelt kann uns gegen den Klimawandel oder auch gegen die Entstehung von Pandemien schützen. Wir brauchen die Natur. Unsere Wälder sind für immer, es gibt keine Laufzeitbegrenzung. Wir schaffen einen Wald, aus Generationen von Bäumen für Generationen von Menschen.

Wir brauchen die Natur. Unsere Wälder sind für immer, es gibt keine Laufzeitbegrenzung. Wir schaffen einen Wald, aus Generationen von Bäumen für Generationen von Menschen.

Oliver Jacobs

Welchen Impact für Mensch & Umwelt habt ihr bereits geschaffen?

Mit fast 2.000 Menschen ist unsere Community bereits groß! Das ist für uns der schönste Erfolg. Und gemeinsam mit diesen phantastischen und engagierten Menschen haben wir bereits weit über 200 Hektar Regenwald geschaffen – jedes Jahr binden wir so 3.200 Tonnen CO2 neu in unseren Wäldern dauerhaft ein.

Ein weiterer Erfolg für uns war, dass neben unzähligen Tierarten wie Affen und Vögel letztes Jahr sogar der Jaguar wieder in unseren Wäldern gesichtet wurde. Das ist ein weiterer Beweis, dass unsere Wälder wertvolle Ökosysteme geworden sind.

Oliver, wenn du eine Sache auf der Welt verändern könntest, welche wäre das?

Mehr den gemeinsamen Weg finden. Wir müssen verstehen, dass wir eine globale Community sind und als solche häufig ähnlichen Herausforderungen gegenüberstehen, wie Klimawandel, Rassismus oder sozialer Ungleichheit. Wir müssen lernen, solch globale Herausforderungen auch gemeinsam noch effektiver zu bekämpfen.

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  • Linda Schleier