Von Cleopatra zum Discounter. Die Geschichte der Naturkosmetik

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Von Cleopatra zum Discounter. Die Geschichte der Naturkosmetik

Bild: © unsplash

Von Cleopatra zum Discounter.
Die Geschichte der Naturkosmetik

Veröffentlicht am 15.09.2020 von Lea Thin


Bereits im alten Ägypten nutzte man die Kraft der Natur, um sich zu pflegen und herauszuputzen. Erst viel später hat die Verwendung rein natürlicher Substanzen als Kosmetik den Mainstream zurückerobert. Dabei gibt es für das einstige Nischenprodukt noch nicht einmal eine einheitliche Definition auf dem internationalen Markt. Wir haben die Geschichte der Naturkosmetik daher etwas genauer unter die Lupe genommen.

Pioniere der modernen Naturkosmetik

Marken wie Dr. Bronner’s, Weleda und Dr. Hauschka sind nicht nur Pioniere auf dem Naturkosmetikmarkt, sie sind auch deutschen Ursprungs. Kein Wunder: nach den USA ist Deutschland mit fast zehn Prozent vom Gesamtkosmetikmarkt der zweitgrößte Markt für zertifizierte Naturkosmetik. Natur als etwas Gutes einzuschätzen ist dabei eine sehr westeuropäische Sicht, die sich historisch als Gegenbewegung zur rapide voranschreitenden Industrialisierung im späten 18. Jahrhundert etabliert hat.

Heute liegt Naturkosmetik im Trend, der vor allem auch in einem hohen Gesundheitsbewusstsein liegt, nicht zuletzt aufgrund von Schreckensmeldungen über Aluminium in Deos oder Silikon in Shampoos. Wer natürliche Schönheitsprodukte erwerben möchte, braucht in keine speziellen Läden zu gehen. Die allseits bekannten Markten sowie günstige Discounter-Alternativen gibt es zu Hauf auch im Supermarkt um die Ecke. Doch die Wiege der Naturkosmetik liegt viel weiter südlich - im alten Ägypten.

Natürlich schön. Wer hats erfunden?

Schon lange bevor sich die Industrie auf Kosmetik stürzte, nutzten die Menschen Öle, Fette und natürliche Düfte zur Körperpflege. Bereits in der Frühzeit wurden Pflanzensäfte zur Pflege und Naturfarben zur „Bemalung“ genutzt.

Den Grundstein für das, was wir heute Naturkosmetik nennen, setzten jedoch die Ägypter. Nicht nur Kleopatra nutzte einen kräftigen Eyeliner und badete in Eselsmilch. In der alten Hochkultur herrschte ein strenges Schönheitsideal für das vor allem Frauen - wie auch heute - Schmerzen und ungesunde Praktiken in Kauf nahmen. In Gräbern hat man so einiges gefunden, was die Herzen von DIY-Fans höher Schlagen lassen und so manchen Kosmetik-Blog bereichern könnte. Archäologen fanden dort Gesichtsmasken, Reinigungsmilch aus Öl und Limone, Haarfestiger aus Harz und Bienenwachs sowie Puder und Lidschatten aus gemahlenen Mineralien. Auch Lippenstift auf Basis von Gänsefett gab es.

Besonders wichtig war es ägyptischen Frauen, gut zu riechen. Ihr Parfüm stellten sie dabei zumeist aus Honig, Blüten, Wein oder Beeren her. Als Deo mussten gemahlene Johannisbrotbaum-Früchte herhalten, die man sich unter die Achseln rieb. Wer grau wurde, färbte sich die Haare mit Ochsenblut oder Wacholderbeeren und wer seine Körperhaare ganz loswerden wollte, nahm mit Harz bestrichene Leinenstreifen zur Hilfe, die stark an unsere heutigen Wachsenthaarungsstreifen erinnern.

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Naturkosmetik ist nicht gleich Naturkosmetik

Schon den Ägyptern war Schönheit oft wichtiger als Gesundheit. Um eine edle Blässe präsentieren zu können, wurde eine Foundation aus Bleichmittel aufgetragen, die ganz sicher kein guter Begleiter fürs Altwerden war. Doch unsere heutige Kosmetik steht dem in nichts nach: Mikroplastik, Weichmacher und andere Substanzen stellen gesundheitliche Gefahren dar, die viele Konsument*innen für ihr Aussehen (und ihren Geldbeutel) ignorieren.

Doch immer mehr Menschen machen sich über die gesundheitlichen Auswirkungen und Umweltfolgen ihrer Kosmetikprodukte Gedanken und greifen zu Naturkosmetik. Aber Naturkosmetik ist nicht gleich Naturkosmetik. Und die Deutschen schauen gern ganz genau hin, wenn es um ihre Inhaltsstoffe geht. Zahlreiche Verbrauchertests und Apps werden genutzt, um am Ende nicht an eine Mogelpackung zu geraten. Prüfsiegel sollen Verbraucher*innen direkt erkennen lassen, ob es sich bei einem Produkt um zertifizierte Naturkosmetik handelt.

Wie in vielen anderen Bereichen, ist die Vielfalt an unterschiedlichen Siegeln jedoch oft verwirrend. Die wichtigsten sind BDIH, Demeter, Ecocert und Natrue. Auch wenn es immer wieder Kritik seitens Verbraucherschützer*innen hinsichtlich der Transparenz dieser Siegel gibt, versprechen sie dem*r Käufer*innen einen qualitativen Gegenwert für den Kaufpreis, der oft deutlich höher ausfällt als der für synthetische Kosmetika. Und diesen höheren Preis zahlen selbst die sparsamen Deutschen für hochwertige Kosmetik gerne. Vor allem landen Produkte für die alltägliche Pflege in deutschen Einkaufskörben, und weniger Make-Up und Co..

Neben Naturprodukten aus der Industrie, probieren sich aber auch immer mehr Menschen selbst aus und stellen Eigenkreationen, etwa aus Kaffeesatz und Meersalz her. Klar, der Verdacht liegt nahe: wer seine Pflege- und Reinigungsprodukte selbst zusammen mixt, der hat automatisch natürliche und gesunde Kosmetik. Doch stimmt das? Tatsächlich ist nicht jeder kreative Beauty-Lifehack gesund für deine Haut, auch wenn du hauptsächlich natürliche Inhaltsstoffe verwendest.

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Was ist erlaubt, was ist verboten?

Naturkosmetik soll vor allem eines sein: 100% natürlich und besonders gesund. Der Begriff Naturkosmetik ist bisher nicht eindeutig rechtlich definiert und geschützt. Erst im Jahr 1993 wurde erstmals eine Definition durch das Bundesgesundheitsministerium vorgeschlagen, die bestimmte Konservierungsstoffe ausschloß sowie die ausschließliche Verwendung pflanzlicher, tierischer oder mineralischer Ressourcen forderte. Seit dem Jahr 2000 gibt es auch einen EU-weite Definition, die zudem eine Verarbeitung durch physikalische, mikrobiologische und enzymatische Methoden festlegt.

Auch wenn es keine einheitliche Definition von Naturkosmetik gibt, so wird in der Regel auf den Einsatz von Stoffen, die aus Erdöl gewonnen werden, verzichtet. Dazu zählen etwa Parabene, Paraffine, Polyethylenglykol (PEG), Silikone und synthetische Duftstoffe. Mit den Jahren ihrer Verwendung hat sich immer mehr gezeigt, dass viele Menschen diese künstlichen Stoffe nur schlecht vertragen und Allergien und Ausschläge entwickeln.

Die mengenmäßig wichtigsten Inhaltsstoffe sind Öle, Fette und Wachse wie Arganöl, Olivenöl, Sojaöl, Sheabutter, Kakaobutter oder Bienenwachs. Außerdem spielen Zucker und Kokosöl bei schäumenden Produkten wie Duschgels und Shampoos eine eine wesentliche Rolle. Als Duftstoffe werden bei Naturkosmetik in der Regel ätherische Öle, Kräuterextrakte und Blütenwässer sowie natürliche Aromen genutzt.

Was Konsument*innen wissen sollten:
Naturkosmetik ist nicht automatisch bio!

Aber sind die Produkte auch grundsätzlich bio? Was Konsument*innen wissen sollten: Naturkosmetik ist nicht automatisch bio! Denn dafür müssten alle einzelnen Bestandteile mindestens zu 95 Prozent aus kontrolliert biologischem Anbau kommen. Das ist jedoch nur für landwirtschaftlich angebaute Rohstoffe möglich.

Tatsächlich ist in Naturkosmetik aber gar nicht nur Natur drin. Es ist nämlich gar nicht so einfach, allein aus natürlichen Zutaten ein wirksames Produkt mit gewünschter Konsistenz und langer Haltbarkeit herzustellen.
Bei Produkten wie Shampoos und Duschgelen ist es doppelt schwer. Eine schäumende Wirkung ist ohne Tenside praktisch nicht zu erreichen. Zwar werden diese in der Naturkosmetik meist aus Zucker oder Kokosfett gewonnen, dennoch werden die Tenside erst in einem chemischen Prozess hergestellt. Was am Ende übrig bleibt ist immerhin ein naturnaher Stoff. Er darf ausdrücklich in der Naturkosmetik Verwendung finden, allerdings nur, wenn ein reiner Naturstoff ihn nicht ersetzen kann.

Selbiges gilt für Glycerin, welches vor allem als Feuchthaltemittel und Weichmacher von Kosmetik verwendet wird. Auch komplett synthetische Stoffe finden sich in Naturkosmetik, vor allem als Konservierungsstoffe, um Haltbarkeit zu gewährleisten. Sie müssen allerdings Naturstoffe identisch nachbilden. Damit sind sie zwar künstlich, jedoch in allen Naturkosmetikstandards zugelassen, da sie natürlich kaum vorkommen.

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