5 Fragen an TRUESDAY

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5 Fragen an TRUESDAY

Bild: © TRUESDAY

TRUESDAY

Veröffentlicht am 02.09.2021 von Nina Brauneis


TRUESDAY möchte als erste deutsche Kaffeemarke das True-Price-Prinzip in der Praxis Realität werden lassen. Damit können reale Kosten für Mensch und Umwelt eingepreist und langfristig soziale und ökologische Schäden reduziert werden: ein Kaffee mit positiven Impact! Durch das Einbeziehen und Offenlegen von versteckten Kosten, können Verbraucher*innen faire Kaufentscheidungen treffen. Gleichzeitig kommen die Mehrkosten des Kaffees den Kaffeebauern und -bäuerinnen der Anbauregionen und Umwelt zugute. Sowohl der Preis der Kaffeebohne, als auch die sozialen und ökologischen Kosten werden bei TRUESDAY berücksichtigt. Wie es zu der Idee kam erzählt Gründer Henning im Interview.

Wie kam es zu der Idee, TRUESDAY ins Leben zu rufen und welche Vision verfolgt ihr?

Die Idee, den ersten Kaffee mit True Price auf den Markt zu bringen, entstand bei einem Barista- Workshop im Frühjahr 2020. Dort hatte ich erfahren, dass für jede Tasse Kaffee 140 Liter Wasser verbraucht werden und dagegen wollte ich etwas unternehmen. Jedoch verursachen andere versteckte Kosten, wie Klimawandel, Wasserverschmutzung und Landnutzung noch weitaus größere Schäden. Der einzige Nachhaltigkeitsstandard, der all diese versteckten Kosten berücksichtigt, ist der True Price. Der Wert des Kaffees orientiert sich hier nicht am Börsenpreis sondern an den realen Auswirkungen des Kaffeeanbaus auf Mensch und Natur. Wir möchten ein Bewusstsein für diese neue Art des Wirtschaftens wecken und einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstandard setzen. Ziel ist es, Kaffee mit positivem Impact zu etablieren.

 

Der einzige Nachhaltigkeitsstandard, der all diese versteckten Kosten berücksichtigt, ist der True Price.

Henning von TRUESDAY

Bitte nochmal mit eigenen Worten: was unterscheidet den Kaffee von TRUESDAY von konventionellem Kaffee?

Konventioneller Kaffee verursacht versteckte Kosten, die nicht von Verbraucher*innen getragen werden, sondern von den Menschen, die ihn anbauen, unserer Umwelt und den nächsten Generationen. Bei TRUESDAY hingegen werden die durch den Kaffeeanbau verursachten Schäden vollständig berücksichtigt, reduziert und kompensiert. Anders als bei den meisten zertifizierten Kaffees müssen Farmer*innen außerdem keine Zertifizierungsgebühren bezahlen, um Zugang zu fairen Kaffeemärkten zu erhalten. Unser Nachhaltigkeitsanspruch zeigt sich auch in der Verpackung: Abgefüllt wird der Kaffee in Mehrwegflaschen, die im Supermarkt für 0,15€ Pfand zurückgegeben werden können. Auch qualitativ hebt sich der Kaffee ab: Unsere Kaffeebohnen werden frisch in Berlin geröstet und gehören mit einem SCA-Score von 84 zu den hochwertigsten 5% des Welthandels. Bei unserem Cauca Excelso lassen sich z.B. Aromen von Schokolade, Karamell und Himbeere herausschmecken.

Bei TRUESDAY hingegen werden die durch den Kaffeeanbau verursachten Schäden vollständig berücksichtigt, reduziert und kompensiert.

Henning von TRUESDAY

Ihr steht ja noch am Anfang eurer Unternehmensgeschichte, wie war die Reise bisher und welchen Herausforderungen standet ihr bei der Gründung gegenüber?

Vor dem Launch bestand unsere größte Herausforderung darin, die Lieferketten nachzuvollziehen, denn der Kaffeemarkt ist wahnsinnig intransparent. Das beginnt schon mit der Bezahlung der Farmer*innen: Der weltweite Maßstab für faire Bezahlung ist die Angabe des Hafenpreises (FOB). Das sagt aber nur wenig darüber aus, welcher Betrag am Ende bei Farmer*innen ankommt, denn Exporteure sind meistens noch dazwischengeschaltet. In Deutschland konnte uns kein einziger Trader oder Röster sagen, welcher Preis ihren Farmer*innen bezahlt wurde. Schließlich haben wir die Farmer*innen auf Social Media selbst gesucht und nach ihrem Farmgate-Preis gefragt.

Gibt es denn auch schon erste Erfolge zu verzeichnen? Und welche Pläne verfolgt ihr für die Zukunft?

Wir bekommen viel positives Feedback und beliefern bereits zahlreiche auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Institutionen, wie NGOs, Cafés, Unverpackt-Läden, Supermärkte, Büros und Boutiquen. Wir verkaufen nicht nur Kaffee sondern auch einen verbesserten Nachhaltigkeitsstandard. Wenn wir also Interesse an wahren Preisen wecken und dazu anregen, unser Wirtschaftssystem umzudenken, haben wir schon viel erreicht. Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. hat uns bisher einmal pro Monat als Speaker eingeladen – über so viel Interesse aus der Wirtschaft freuen wir uns natürlich! In Zukunft möchten wir noch lauter sein, mehr Aufmerksamkeit für wahre Preise wecken und unser Kaffee-Sortiment erweitern.

Jetzt lassen wir TRUESDAY mal kurz beiseite. Was ist der nachhaltigste Tipp, der dein Leben verändert hat?

Einen Co2-Bilanzrechner zu benutzen – so bekomme ich ein besseres Gefühl für meinen eigenen ökologischen Footprint. Aber es ist frustrierend! Um auf das Ziel von maximal 1 Tonne CO2e pro Jahr zu kommen, muss ich noch einige Gewohnheiten umstellen.

Wenn du eine Sache auf der Welt verändern könntest, welche wäre das?

Ich würde versuchen, den Klimawandel einzudämmen. Vielleicht kann der True-Price-Ansatz einen wichtigen Beitrag dazu leisten und unser Wirtschaftssystem fair ändern. Wenn wir damit beginnen, reale Preise zu zahlen, werden nachhaltige Produkte günstiger als konventionelle und sich schließlich durchsetzen.

Und zum Schluss: wie trinkst du deinen Kaffee am Liebsten?

Entweder als Espresso im Siebträger oder als Filter-Kaffee in der Chemex.

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