5 Fragen an SoulSpice

RSS
5 Fragen an SoulSpice

Bild: © SoulSpice

SoulSpice

Veröffentlicht am 07.07.2020 von Lea Thin


Mit den einzigartigen Gewürzen von SoulSpice lässt sich jedes Gericht aufpeppen. Wir haben fünf Fragen an SoulSpice Gründer Boris Rafalski gestellt und herausgefunden, warum SoulSpices nicht nur gut für dich sind, sondern auch Kleinbäuerinnen und -bauern im Globalen Süden und der Umwelt helfen.

Boris, Du hast mit deiner Partnerin Meret zusammen SoulSpice gegründet. Warum wollt ihr den konventionellen Gewürzhandel verändern?

Der Gewürzhandel liegt, wie die meisten anderen Rohstoffe auch, in den Händen globaler Großkonzerne. Wer heute im Supermarkt ein Gewürz kauft, hat so gut wie keine Chance zu erfahren, woher diese kommen. Von der Plantage bis zum Supermarkt gehen die Gewürze durch die Hände zahlreicher Zwischenhändler*innen, die das Produkt unnötig teuer und gleichzeitig auch qualitativ schlechter machen. Da Gewürze wertvolle Rohstoffe sind, erliegen manche Händler*innen der Versuchung, ihren Profit durch Strecken, Panschen und Beimischen minderwertiger Qualität zu erhöhen. Auch kommen im Gewürzanbau besonders schädliche Pestizide zur Anwendung, die zwar in Europa verboten sind, aber in vielen Entwicklungsländern noch eingesetzt werden. Auch bei der Verteilung der Gewinne läuft einiges schief. Gewürze werden zu über 80 Prozent von Kleinbäuerinnen und -bauern angebaut. Sie erzeugen die teuersten Lebensmittel der Welt, wie Vanille oder Safran, und zählen dennoch oft zu den ärmsten Menschen. Häufig müssen sie mit umgerechnet weniger als fünf US-Dollar am Tag auskommen.

Gewürze werden zu über 80 Prozent von Kleinbäuerinnen und -bauern angebaut. Sie erzeugen die teuersten Lebensmittel der Welt, wie Vanille oder Safran, und zählen dennoch oft zu den ärmsten Menschen.

Boris Rafalski

Was macht SoulSpice besser?

Für Meret und mich war das oberste Ziel, nachhaltig zu wirtschaften. Mit unserem Start-Up haben wir uns ganz bewusst für Gewürze entschieden. Wir wollen mit sogenannten Single Origin Gewürzen eine transparente Wertschöpfungskette aufbauen, damit die Konsument*innen genau wissen, wo und wie sie angebaut wurden. Wir beziehen unsere Gewürze direkt von den Bauernkooperativen, damit kein Zwischenhändler etwas hineinmischen kann. Außerdem verwenden wir nur Bio Gewürze, bei deren Anbau jegliche Art von Pestiziden verboten ist. Gleichzeitig liegt uns auch die faire Bezahlung der Produzent*innen am Herzen – aber auch die persönliche Beziehung zu unseren Anbauer*innen. Wir besuchen sie regelmäßig und arbeiten gemeinsam mit ihnen an den Gewürzprojekten.  

Dabei fördern wir den Anbau von alten Gewürzsorten, die mehr Geschmack haben und die biologische Vielfalt der Anbauregionen schützen. Wir machen den Bäuerinnen und Bauern Mut, ihre Jahrhunderte alten Anbaumethoden neu zu entdecken, und unterstützen sie zugleich mit neuen Erkenntnissen der biologischen Landwirtschaft.

Aber auch in Deutschland stehen für uns Nachhaltigkeit und Qualität an erster Stelle. Unsere exklusiven Gewürzmischungen werden von passionierten Köch*innen entwickelt. Alle SoulSpices werden in unserer kleinen Manufaktur in Bad Tölz von Hand abgefüllt. Die Gewürze werden in kleinen Mengen frisch vermahlen und gemischt, so dass die wertvollen Aromen nicht verloren gehen. Und weil nachhaltiges Wirtschaften unser oberstes Ziel ist, hat auch unsere Manufaktur einen sozialen Charakter: hier arbeiten Menschen mit psychischen Schwierigkeiten, die bei uns auf den Wiedereinstieg in ein reguläres Berufsleben vorbereitet werden.

Was ist eure größte Herausforderung?

Eine unserer größten Aufgaben ist die Sensibilisierung der Menschen für gute Gewürze. Es braucht noch viel Überzeugungsarbeit, damit mehr Geld für hochwertige Lebensmittel ausgegeben wird. Gerade bei Gewürzen sind die Preisunterschiede enorm, man lässt sich schnell zum Kauf eines Billigproduktes verführen. Wir müssen also noch mehr Menschen von unserer Grundidee überzeugen, beim Einkaufen auf hohe Qualität zu setzen, um eine nachhaltigere Welt zu unterstützen. Das ist vor allem auch wichtig für unsere eigentliche Challenge: unsere Anbauprojekte nachhaltig zu sichern. Es braucht viel Zeit und Mühe seitens der Bäuerinnen und Bauern, um auf Bio und alte Sorten umzustellen, und diesen Mut müssen wir belohnen können. Zudem macht sich der Klimawandel in vielen unserer Projekte bemerkbar: In Kerala gab es zwei Jahre in Folge große Überschwemmungen und in Sri Lanka bedrohen dieses Jahr ungewöhnlich hohe Temperaturen unser Chili-Projekt.

Momentan ist unsere größte Herausforderung jedoch die COVID-19 Pandemie. Unsere Gewürze findet man hauptsächlich in kleinen Feinkostgeschäften und Boutiquen. Viele unserer Partner mussten schließen, so dass auch unser Absatz deutlich zurückgegangen ist. Auch unser Flag-Ship Store in Berlin konnte vorübergehend nicht öffnen. Was uns gerade am meisten fehlt, ist jedoch der Kontakt zu unseren Bäuerinnen und Bauern. Denn bedingt durch Corona müssen wir unsere Reisen in die Anbauländer momentan aussetzen.

Gibt es schon erste Erfolge?

Wir sind sehr stolz auf das, was wir in den letzten drei Jahren aufgebaut haben. SoulSpice gibt es in ausgewählten Feinkostgeschäften in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz. Wir freuen uns zudem, dass immer mehr Kantinen auf hohe Qualität setzen und ihre Gewürze bei uns bestellen. Auch in der Gemeinschaftsverpflegung werden Nachhaltigkeit und Qualität erfreulicherweise immer wichtiger. Besonders glücklich sind wir über unser jüngstes Projekt in Sri Lanka, welches wir zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH durchführen. In diesem Rahmen konnten letztes Jahr über 50 landwirtschaftliche Kleinbetriebe neu Bio-zertifiziert werden.

Entweder… oder: Netflix oder E-book?

Ich bin eher für Netflix während Meret lieber auf ihrer Tolino-App liest. Wir streiten sogar fast täglich über die Nachhaltigkeit unseres Konsumverhaltens. Netflix verbraucht ja weltweit so viel Energie wie Chile, beim Tolino weiß man es noch nicht so genau….

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag

  • Lea Thin