5 Fragen an Kaffeeform

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5 Fragen an Kaffeeform

Bild: © Kaffeeform

Kaffeeform

Veröffentlicht am 03.11.2020 von Linda Schleier


Für Julian Lechner hat das genaue Studieren des Kaffeesatzes tatsächlich seine Zukunft beeinflusst. Das vermeintliche Abfallprodukt verarbeitet der Produktdesigner weiter zu nachhaltigen und langlebigen Kaffeetassen. Wie es zu Kaffeeform kam erzählte er uns im Interview.

Aus einem Abfallprodukt etwas Neues zu erschaffen fällt auch einem Produktdesigner sicher nicht leicht, wie kam es zu der Idee?

Ich war und bin ein richtiger Kaffeesuchti und musste mich in meinem letzten Jahr an der Uni für ein Thema der Abschlussarbeit entscheiden. Da kam mir der Einfall am Cafétresen: aus den täglich verschwendeten Kaffeeabfällen ein neues Material herzustellen.


Meine Professoren waren anfänglich äußerst irritiert über den Ansatz, haben sich dann aber auf die Betreuung der Entwicklung einer Espressotasse aus recyceltem Kaffeesatz eingelassen. Ich habe die Idee nach der Uni persönlich weiter verfolgt, und nach einigen Jahren Forschung und Entwicklung stand das Material: eine Mischung aus gebrauchtem Kaffeesatz und anderen nachwachsenden Rohstoffen. Daraus lassen sich Kaffeetassen formen, die irgendwann dann als fertiges Produkt tatsächlich im Laden standen. Ein irrer Moment.

 

Heute bringen Fahrradkuriere den gebrauchten Kaffeesatz aus Berliner Cafés und Röstereien zu einer sozialen Werkstatt, die ihn trocknet und haltbar macht. In kleinen Betrieben wird das Material dann zusammengesetzt und zu robusten Tassen geformt, die immer noch leicht nach Kaffee duften.

Da kam mir der Einfall am Cafétresen: aus den täglich verschwendeten Kaffeeabfällen ein neues Material herzustellen.

Julian Lechner

Welchen Herausforderungen standest du bei der Gründung gegenüber?

Der Schritt zur Gründung war ein langwieriger und schwieriger Prozess. Ich musste mich erstmal aus den Zwängen eines zeitintensiven festen Jobs befreien, Freunde und Familie überzeugen, geeignete Produktionspartner und passende Absatzkanäle finden und parallel das Unternehmen und die Marke aufbauen. Dabei fehlte mir als Produktdesigner das betriebswirtschaftliche Grundwissen, Netzwerk und vor allem Erfahrung. Ich hatte mich auch bewusst dazu entschieden, Kaffeeform ohne externe Investoren zu gründen. Dadurch hatte ich einen kleineren Handlungsspielraum, aber dafür mehr Freiheiten und Selbstbestimmung.

Wenn ihr jetzt zurückblickt, welche Erfolge könnt ihr verzeichnen?

Ich bin sehr stolz, dass Kaffeeform nach 5 Jahren so da steht. Von einer ersten, vielleicht absurden Idee haben wir es zu einem innovativen Material und gut gestalteten Produkten geschafft. Unsere Produktpalette wächst genauso wie das Unternehmen. Kaffeeform Tassen und Becher wurden auch schon in einigen Material und Themen-Ausstellungen großer Museen in ganz Europa gezeigt, was mich als “Erfinder” natürlich besonders freut. Die Auszeichnung mit dem Red Dot Design Award als bestes Material 2018 war ebenso ein großer Moment.

Julian, was ist der nachhaltigste Tipp, der dein Leben verändert hat?

Ich habe mir lange Zeit viel zu wenig Gedanken über Finanzen und dessen Auswirkungen gemacht. Seit ich mit meinem Privat- und Firmenkonto zu einer nachhaltigen Bank gewechselt habe, fühlt es sich deutlich verträglicher an.

Wenn du eine Sache auf der Welt verändern könntest, welche wäre das?

Ich würde sofort die Verfügbarkeit und Kosten für viele wichtige Arzneimittel senken und die Pharmaindustrie massiver regulieren.

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  • Linda Schleier